Ganvie, Benin

Mit einem unserer Gäste machten wir einen Ausflug nach Benin. Unser Ziel war Ganvie.

Ganvie ist mit seinen mittlerweile über 20000 Einwohnern das wahrscheinlich grösste Pfahlbauerdorf auf dem ganzen Kontinent. Seinen Ursprung hatte es in der Zeit, als viele Afrikaner versklavt und nach Amerika und Brasilien gebracht wurden. Laut einer Sage wurden die ersten Menschen von einem Krokodil und einem Adler auf eine Insel im 180 km2 grossen Nokoué See gebracht. So entgingen sie der Sklaverei.  Weil immer mehr Menschen auf diese Insel flüchteten wurde es  bald zu eng. Zudem brauchte man Platz für die verstorbenen. Nun fingen sie an, ihre Hütten im Wasser zu bauen. Aus dem kleinen Ganvie wurde mittlerweile eine grosse, moderne Stadt. Die Hütten sind längst nicht mehr mit Riet gedeckt. Die  rostigen Wellblechdächer sind heute auch in der Mehrzahl. Die Leute aus Ganvie sind nicht mehr zufrieden. Sie fühlen sich vom Staat vergessen.

Der Präsident Patrice Talon will dies nun ändern. Hütten, die mit Riet gedeckt werden, sollen unterstützt werden. Das Dorf ist seit 1996 auf der Vorschlagsliste zum Weltkulturerbe. 

Die berühmte Musikerin Anguelique Kjdjo soll hier aufgewachsen sein.

Tempel der Python in Ouidah Benin

Bei dem  Ausflug  nach Ganvie im Nachbarland Benin besuchten wir auch die historische Stadt Ouidah. Hier kann man die letzten Kilometer der Sklaven hautnah  miterleben. Zuerst statteten wir aber dem Tempel der Python einen Besuch ab.

Der Tempel beherbergt etwa 200 Pythons. Die Pythonschlange ist eine Würgschlange und kann bis etwa 1.7m lang werden. Adulte Weibchen erreichen so ein Gewicht von etwa 3.2 kg. Männliche Tiere sind etwas kleiner und leichter. Die Pythons spielen in der Voodoo Kultur eine zentrale Rolle. Einerseits fürchtet man sich vor Pythons, andererseits verehrt man sie. Im Areal des Tempels steht auch ein alter Baum. Er soll 600 Jahre alt sein. Am Fuss des Baumes werden Voodoo Zeremonien durchgeführt. Es werden auch Tiere geopfert. Als Opfertiere müssen Tauben, Hühner, Gänse, Enten, Ziegen und Rinder ihr leben lassen. Da man für das Voodoo Ritual insbesondere das Blut braucht wird das Fleisch gebraten und anschliessend gegessen. Der praktisch kahle Baum lebt aber. An einem Ast habe ich ein paar kleine, aber grüne Blätter gesehen. Da hinter dem Baum, auf dem Nachbarsgrundstück viele Leute wohnen, kann man nur hoffen, dass es beim einstürzen des Baumes nicht auch menschliche Opfer gibt. In der Schweiz müsste ein solcher Baum schon längst gefällt werden.

Beim alter des Baumes glaubt man er sei 600 Jährig. Es ist aber nichts dokumentiert. Mit dem Alter ist es so eine Sache. Man hört immer wieder im Radio bei den Todesanzeigen, dass die Leute über 100Jahre alt geworden sind. Wenn man aber die verstorbenen zu Lebzeiten fragen würde, wie Alt sie sind, hört man oft, ich weiss es nicht. es ist aber rein rechnerisch sehr einfach das eventuelle alter zu ermitteln. Da die Afrikaner in der Regel die Kinder sehr früh haben,  man kann zum ältesten Kind etwa 15 bis 20 Jahre dazurechnen. So erhält man das ungefähre alter der Person. Ich weiss von einer Person die mit 103 Jahren gestorben ist. dass am Todestag die älteste Tochter noch keine 70 Jahre alt war. Laut einem Ausweis der Person ist sie 1926 geboren. Das Alter von ungefähr 90 Jahren ist deshalb viel realistischer. Bei Baum ist es noch viel schwieriger das Alter zu ermitteln. Dazu müsste man den Baum Fällen um die Jahresringe zu zählen. Da es sich bei diesem Baum aber um einen heiligen Baum handelt kommt diese  option nicht in frage. Sollte es beim umstürzen zu Opfern kommen wird man auch dafür eine Erklärung finden.

 

Ouidah, Benin

Es wird oft behauptet, Afrika hätte keine Geschichte. Das ist Grundlegend falsch. Den Fehler, den man in Afrika machte, man hat es einfach nicht aufgeschrieben. Es gibt aber die sogenannten Griots. Das sind Geschichtenerzähler. Diese Geschichten sind aber mit Vorsicht zu geniessen, denn mal wird was vergessen , mal was dazugetan. Es ist eben wie in der Politik, sie erzählen genau das, was die Leute hören wollen. Nur so werden sie auch geliebt. Aber genau so entstanden auch viele Sagen.

Der Ort Ouidah hiess früher Heouidah. Die Sklavenhändler und Besatzer konnten das aber nicht aussprechen. Deshalb wurde der Ort von den Endländern Whydah, von den Franzosen und Portugiesen Ouidah genannt. Nachdem man die Engländer vertrieben hatte, blieb der Name Ouidah.

Von Ouidah aus wurden Menschen aus Mali, Niger , Obervolta ( heute Burkina Faso), Ghana, Togo und Nigeria nach Amerika ,insbesondere Brasilien gebracht. Mit Ausnahme eines Forts und einigen Hütten am Strand blieb nichts mehr bestehen. Vor Rund 20 Jahren entstand nun der Weg der Sklaven . Er beginnt beim Platz Chacha und endet beim Tor ohne Wiederkehr. Der Weg ist gesäumt von Betonstatuen. Zu jeder Statue  gäbe es eine Geschichte. Die Bedeutung von  ein paar Statuen werde ich versuchen zu erklären.

Platz Chacha: Tschatscha heisst schnell schnell. Hier wurden die Sklaven verkauft. Alles musste schnell gehen. Man wollte die Sklaven möglichst rasch loswerden. Viele von ihnen waren am ende ihrer Kräfte. Sie hatten ja bereits einen Fussmarsch von bis zu 2000 km hinter sich. Den ganzen Weg waren sie am Hals, Händen und Füssen zusammengekettet. Auch zum schlafen befreite man sie nicht von den Fesseln.

Die erste der Statuen zeigt einen Pelikan mit einem Fisch im Schnabel. der Pelikan verkörpert den Ozean der Fisch ist der Sklave. Gemeint ist dabei, der Ozean verschlingt die Sklaven. Es gibt unterwegs auch den Baum des Vergessens. Bei diesem Baum mussten Frauen 7 Mal und Männer 10 Mal um dem Baum gehen. Sie sollten dabei ihr vorheriges Leben vergessen.  An dem Platz wo die Sklaven auf das nächste Schiff warten mussten, steht eine Statue welche symbolisch die verschiedenen Ethnien darstellt. Zum Beispiel  die grossen Ohrringe der Peul aus dem Niger. Hier wurden die Sklaven sitzend gefesselt. Ein Holz im Mund befestigt mit einem Hufeisenförmigen Eisen um den Hals, verhinderte dass die Menschen sprechen oder schreien konnten. 

Ein eindrücklicher Ort ist auch der Platz der Stille. Das ist ein Massengrab. Sklaven mussten ein Loch von 10m tiefe und 6 m im Durchmesser graben. Zu sehr entkräftete und kranke Sklaven wurden lebend in das Loch geworfen. Schon fast zynisch ist die Statue am Platz der Stille. Sie zeigt einen Sklaven mit gesprengten Fesseln . Gemeint ist dabei, ich bin Tot, deshalb frei.

Auch die  nächste Statue ist beklemmend , Sie zeigt eine Frau mit Ästen als Kopf. Laut einer Sage wurde hier eine Sklavin , die sich zur wehr setzen wollte, lebendig begraben. Aus ihren Füssen wuchs der Baum hinter ihr. Der Baum hat Zucchetti förmige ungeniessbare Früchte. Sie werden aber getrocknet und im schwarzen Voodoo verwendet. Das Pulver eben dieser Frucht  soll fürchterliche schmerzen verursachen und  ganz dicke Beine geben.

Beim Tor ohne Wiederkehr wurden die Menschen auf die Sklavenschiffe gebracht. Die meisten der Sklaven haben vorher noch nie das Meer gesehen. Deshalb nannten sie die Schiffe auch Holzhäuser ohne Boden. Auf dem Schiff wurde nun auch noch einmal aussortiert. Sklaven, bei denen man damit rechnen durfte, dass sie die Überfahrt nicht schafften, wurden einfach über Bord geworfen und den Haien verfüttert.

Leider wurde das Thema Sklaverei in Afrika lange totgeschwiegen. Man schämte sich dafür. Schämen mussten sich aber ganz andere. Auch das Sklavenmuseum von Agbotrafo in Togo ist erst sei 2005 zugänglich. Schon 1978 wohnte ich nur etwa 200 neben dem Sklavenhaus. Niemand machte mich darauf aufmerksam.

 

Lomé

Das Jahr hat für Lomé schlecht begonnen. Am Montag den 2.1.2017 ist die Kirche ausgebrannt.

Abalocondji

In Abalocondji ist das Kinderheim, das wir seit Jahren unterstützen. Früher war es in Aneho mitten in der Stadt. Irgendwann wurde es aber da viel zu Eng. Der Staat gab dem Kinderheim ein grosses Grundstück. Für den Rest musste das Kinderheim selbst aufkommen. Leider erlitten sie schon ganz zu beginn des neuen Kinderheimes einen herben Rückschlag. Nach der ersten Anzahlung für die Maurer wurden dieselben nie wieder gesehen.

Das Kinderheim beherbergt rund 100 Kinder. Ein Zimmer ist reserviert für Kinder Aidskranker Eltern. Die Kinder sind zwischen 0 und 20 Jahre Alt. Was mich erstaunte, es hat Verhältnismässig viele Zwillinge im Kinderheim.

Der Knabe auf dem Bild mit Schwester Victorin heisst Nico. Er kam im November 2015 auf die Welt und ist seit Geburt im Kinderheim. Seine Mutter ist geistig Behindert, sein Vater unbekannt . Nico ist zur Adoption freigegeben. Er wird aber dann mindestens schon 2 Jahre alt sein.

Schwester Victorin besucht jeden Winter für einen Monat Deutschland um Geld zu sammeln, dabei macht sie auch immer einen Abstecher in die Westschweiz. Wie lange sie das noch macht, weiss sie selber nicht. Es fehlt ihr langsam die Kraft. 

Aneho

Koutammakou

In dieser abgelegenen Region, weit weg von grossen Städten leben die Soma, besser bekannt unter dem Namen Tamberna. Durch die Abgeschiedenheit von der modernen Zivilisation konnten die Soma ihre alten Traditionen aufrecht erhalten.

Diese alten Traditionen kann man hautnah erleben. Die Dörfer der Soma sind seit 2006 ein Weltkulturerbe der UNESCO. Hier gibt es  die einzigen zweistöckigen Lehmhäuser von ganz Afrika. Diese Lehmburgen sind Zweckmässig gebaut und verfügen über Küche und Schlafräume. Um in die Burg zu kommen hat es meist nur runde Öffnungen. Die Räume haben aber keine Fenster. In den unteren Räumen hat es kleine Löcher. Durch diese kann man  Beobachten, ob sich Feinde nähern.

Die Baustoffe der Lehmburgen spielen eine zentrale Rolle im Leben der  Soma. Lehm steht für die Ahnen, die in diesem Baustoff allgegenwärtig  sind. Deshalb werden auch Altäre aus Lehm gebaut.

Ein Besuch dieser Dörfer wird man nie mehr vergessen.

Vor langer Zeit lebten ganze Soma Familien in den oft hohlen Baobab Bäumen Der Baobab auf dem Foto war der zuletzt bewohnte Baum in Koutammakou.

 

Agbotrafo

Agbotrafo hiess früher Porto Seguro, was sicherer Hafen bedeutete. Sicher war er aber nur für die Handelsschiffe und deren Besatzung, nicht aber  für die Afrikaner, oder wie man früher zu sagen pflegte für die Eingeborenen. Ab hier wurden tausende von Sklaven nach Amerika verschifft. Die Sklaven kamen zu Fuss  zusammengekettet an Händen und Füssen oft von weit her. Ich kenne den Ort nun seit 1978, aber erst seit 2007 kenne ich das Museum. Vor 2007 war die Sklaverei ein Tabuthema. Man schämte sich dafür. Das ehemalige Sklavenhaus und heutige Museum wurde damals mit roten Backsteinen gebaut. Dies war total unüblich. Es gibt aber dafür eine Erklärung.

Die Handelsschiffe kamen ja in der Regel fast leer nach Afrika. Man Betrieb ja fast kein Handel mit den Eingeborenen. Damit die Schiffe aber genügend Tiefgang hatten wurden sie mit genau solchen Steinen gefüllt. Weil man ab Afrika wieder Fracht hatte, sei es Gold, Elfenbein, Kakao oder eben Sklaven, brauchte man die Steine nicht mehr. Ob diese Steine wirklich zum bau des Sklavenhauses verwendet  wurden, weiss ich nicht, möglich wäre es.

Die alte Hauptstrasse nach Lomé war etwa 200 m südlich des Sklavenmuseums. Heute sieht man nur noch wenig Überreste von ihr. Sie wurde vom Atlantik weggespült. Es kommt mir vor, als wolle der Atlantik die traurige Geschichte wegspülen.